Starke Knochen?

Osteoporose

Die Milchindustrie behauptet nach wie vor, dass Kuhmilch für Menschen sinnvoll sei, da sie für unsere Knochen Kalzium enthalte.

Diese Behauptung ist schwerwiegend, da jede zweite Frau in der Schweiz ab 50 Jahren einen osteoporosebedingten Knochenbruch erleidet. Und dies, obwohl Schweizerinnen sehr viele Milchprodukte konsumieren.

Wenig Kuhmilchkonsum ≠ wenig Osteoporose

Kuhmilch wird nicht überall konsumiert. In den Regionen, wo schon länger eine Tradition des Kuhmilchkonsums vorhanden ist, gibt es weniger Milchzuckerunverträglichkeiten. Bevölkerungen, welche praktisch nie Milch konsumieren, vertragen Kuhmilch schlecht.
Hier die Verteilung der Anteile an Kuhmilchunverträglichkeiten in den einzelnen Ländern:

 

Schweden 3%
Finnland 16%
Schweiz 17%
England 20%-30%
Frankreich 42%
USA Anglo-Amerikaner 6%
USA Afro-Amerikaner 73%
Afrika fast 100%
Japan fast 100%

Gemäss dieser Tabelle (vom Milchproduzentenverband übernommen) müsste es in Japan und Afrika, wo kaum Milch konsumiert wird, am meisten Osteoporosekranke geben. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Osteoporose ist dort kaum anzutreffen. In Frankreich ist Anteil relativ hoch, da dort auch viele aus Afrika eingewanderte Personen leben.

Höchste Osteoporoserate in Europa: in Schweden (97% vertragen Milchzucker, Milchkonsum pro Kopf und Jahr: 99,4 kg).
Niedrigste Osteoporoserate in Europa: in Frankreich (58% vertragen Milchzucker, Milchkonsum pro Kopf und Jahr: 59,2 kg).

Alleine diese Zahlen belegen bereits, dass ein hoher Milchkonsum eher Osteoporose und somit Knochenbrüche fördert als verhindert.

Studien

In einer Meta-Studie mit insgesamt über 190 000 teilnehmenden Frauen vom Zentrum für Alter und Mobilität der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Heike Bischoff-Ferrari wurde die Frage gestellt:
«Kann eine Ernährung reich an Milch und Milchprodukten die Gefahr von Knochenbrüchen vor allem bei älteren Frauen vermindern?»

Ergebnis: 
Ein Zusammenhang von Milchkonsum mit Hüftknochenbrüchen konnte nicht beobachtet werden, gleichgültig wie viel Milch die Frauen täglich zu sich nahmen.

Quelle:
H. A. Bischoff-Ferrari et al., Milk intake and risk of hip fracture in men and women: A meta-analysis of prospective cohort studies, Journal of  Bone and Mineral Research, 14. Oktober 2010

Gleiches Ergebnis aus fünf europäischen Ländern über 8 Jahre: V. Benetou et al., Diet and hip fractures among elderly Europeans in the EPIC cohort, European Journal of Clinical Nutrition, 13. Oktober 2010

Verbotene Behauptung der Milchindustrie

Trotz der wissenschaftlichen Tatsachen behauptet die Milchlobby weiter direkt oder indirekt, dass Milch notwendig für starke Knochen sei (und die Ernährungsberater helfen bei dieser Propaganda). Dass diese Aussage nicht haltbar ist wurde 2001 sogar gerichtlich festgehalten indem die Behauptung verboten wurde. [Gerichtsurteil]

Weshalb?

Kuhmilch enthält viel Kalzium (wichtig für schnelles Wachstum des Kalbes). 
Da (erhitzte) Kuhmilch im menschlichen Körper säurebildend wirkt, muss der Körper aber noch zusätzliches Kalzium aus den Knochen lösen, um das Blut wieder in den gesunden Säuren-Basen-Bereich zu bringen.

Auch viele pflanzliche Produkte enthalten viel Kalzium (z.B. Nüsse). Sie wirken jedoch nicht säurebildend. Deshalb muss kein Kalzium aus den Knochen gelöst werden. Dadurch reicht eine viel kleinere Menge an Kalzium aus pflanzlichen Nahrungsmitteln aus, um den Körper ausreichend damit zu versorgen.

Was gibt starke Knochen?

Da hoher Milchkonsum nicht geeignet ist um die Knochen zu stärken, stellt sich die Frage, was den Knochen wirklich hilft bzw. weshalb in Ländern mit hohem Milchkonsum so hohe Osteoporoseraten vorhanden sind.

Für die Knochen ist Folgendes wichtig:

  1. Viel Bewegung (nur wenn die Knochen auch belastet werden, werden sie vom Körper aufgebaut)
  2. Sonnenlicht (dadurch kann der Körper das wichtige Vitamin D produzieren, welches die Kalziumaufnahme unterstützt)
  3. Keine Übersäuerung des Körpers (weil diese durch Kalzium aus den Knochen sofort neutralisiert werden müsste)
  4. Aufnahme von Kalzium aus der Ernährung (inkl. kalziumreiches Mineralwasser)

Säurebildend wirken vor allem tierische Produkte mit hohem Eiweissgehalt. Aber auch Industriezucker (in Esswaren und Getränken) und Auszugsmehlprodukte sind sehr säurebildend.

Kalzium ist in sehr vielen pflanzlichen Produkten enthalten. 
Beispiele von pflanzlichen Nahrungsmitteln mit hohem Kalziumgehalt: Samen, Nüsse, Hülsenfrüchte.
Da diese Nahrungsmittel, im Gegensatz zur Kuhmilch, nicht säurebildend sind, reicht bereits eine geringere Kalziummenge für gesunde Knochen.

Zur knochengesunden Ernährung gehören auch Vitamin-C-reiche Früchte (sie fördern die Kalziumaufnahme).